Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS)

Arzneimitteltherapiesicherheit und der elektronische Medikationsplan
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18.03.2020

Der elektronische Medikationsplan und Arzneimitteltherapiesicherheit

 


Patienten haben künftig die Möglichkeit ihren Medikationsplan auf der elektronischen Gesundheitskarte speichern zu lassen. Mit Hilfe des elektronischen Heilberufsausweises erhalten Heilfberufler über die TI so eine jederzeit aktuelle Zusammenschau der beim Patienten angewendeten Medikamente und können neu verordnete Medikamente direkt dem eMedikationsplan hinzufügen. Damit werden gesundheitsgefährdende Wechselwirkungen zwischen Arzneien sowie Fehl- und Mehrfachverordnungen dauerhaft vermieden.

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt. Für Apotheker und Ärzte ergeben sich damit neue Herausforderungen bei der Betreuung immer älterer Patienten. Denn mit zunehmendem Alter, steigt auch der Anteil der Patienten mit Multimedikation. Laut Angaben der Bundesvereinigung der Apothekerverbände (ABDA), leiden über ein Fünftel der Menschen über 65 Jahre an mehr als vier chronischen Erkrankungen. In der Altersgruppe von 75 bis 80 Jahre nimmt jeder Dritte täglich mehr als 8 Medikamente ein. Diese Polymedikation führt in Verbindung mit altersbedingten Organeinschränkungen häufig zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen.

 

9000 Sterbefälle pro Jahr durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Medikationsfehler

Eine weitere Herausforderung ist es, die Patienten bei der Umsetzung ihrer Medikamententherapie zu unterstützen. Aktuell nehmen lediglich die Hälfte aller Patienten mit Langzeitmedikation ihre Arzneimittel therapietreu ein. Aus diesen Medikationsfehlern und den oben beschriebenen unerwünschten Arzneimittelwirkungen resultieren im Jahr 2015 9000 Sterbefälle pro Jahr. Fast dreimal so viele wie im Straßenverkehr. Aus diesen Gründen haben Patienten mit mehr als 3 systemisch wirkenden Medikamenten bereits seit Oktober 2016 Anspruch auf die Erstellung eines bundeseinheitlichen Medikationsplan durch Ihren behandelnden Arzt.

 

Bundeseinheitlicher Medikationsplan erhöht Arzneimitteltherapiesicherheit

Im bundeseinheitlichen Medikationsplan (BMP) werden alle momentan eingenommenen Arzneimittel und deren Anwendungshäufigkeit und -besonderheiten dargestellt. Ziel ist insbesondere, dass der Medikationsplan übersichtlich und für alle Patienten verständlich ist, so dass die Patienten ihre Medikamente korrekt anwenden. Damit sollen Medikationsfehler vermieden werden und die Zahl der Medikamententoten deutlich gesenkt werden.

Zusätzlich biete der BMP Ärzten und Apothekern eine standardisierte Kommunikationsgrundlage in Bezug auf die Medikation ihrer Patienten. Wird der Medikationsplan beispielsweise beim Hausarzt aufgestellt und in der Hausapotheke überprüft und ggf. hinsichtlich Medikamentenhersteller und Aktualität angepasst, erhöht diese doppelte Kontrolle die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS). Der Medikationsplan kann so die tatsächliche Medikation der Patienten abbilden. Beim nächsten Facharztbesuch dient er als Grundlage für die Verschreibung weiterer Arzneimittel. Dadurch soll die Einnahme von Medikamenten, deren Wirkstoffe gesundheitsschädliche Wechselwirkungen aufweisen vermieden werden.

 

Nachteile des BMP in Papierform

Bisher liegt der BMP primär in Papierform vor. Zur Aktualisierung im Praxis- oder Apothekenverwaltungssystem muss ein Barcode auf dem BMP gescannt werden. Anschließend wird der BMP neu für die Patienten ausgedruckt. Der Zwischenschritt des Scannens, bei dem bereits ein Ausdruck BMP des Patienten vorhanden sein muss, kostet schon etwas Zeit. Daneben haben Patienten sicher häufig den BMP beim Arzt- oder Apothekenbesuch nicht dabei. In einem solchen Fall muss er an anderer Stelle beschafft oder zumindest aus der Patientenakte herausgesucht werden. Dies kostet alles wertvolle Zeit, die viel sinnvoller für Beratung und Betreuung der Patienten genutzt werden könnte.

 

Der neue elektronische Medikationsplan (eMedikationsplan)

Um Ärzten und Apothekern Verwaltungszeit zu sparen und die AMTS zu erhöhen, können Patienten ihren Medikationsplan künftig auf ihrer elektronischen Gesundheitskarte (eGK) speichern lassen. Einen Ausdruck des BMP erhalten sie zusätzlich. Über die Telematikinfrastruktur (TI) können dann alle vom Patienten dazu berechtigten Heilberufler in Echtzeit auf den Plan zugreifen und ihn aktualisieren. Diese Gesundheitsanwendung bietet Ärzten und Apothekern damit neben der Zeitersparnis auch Komfort, da sie unabhängig vom Vorhandensein des papierenen BMP ist. Neben den Daten auf dem BMP werden im eMedikationsplan auch noch weitere Daten zur Überprüfung der AMTS gespeichert.

 

Anschluss der Apotheken an die TI und Heilberufsausweis

Seit Ende Juni 2010 sind die Arztpraxen bundesweit an die TI angeschlossen. Um den Patienten bestmögliche AMTS zu gewährleisten und den eMedikationsplan in Zusammenarbeit nutzen zu können ist es erforderlich, dass Apotheken ab 30. September 2020 ebenfalls an die TI angeschlossen werden. Denn nur so kann ein Beschreiben des eMedikationplan durch Arzt und Apotheker erfolgen.

 

In der TI ist die Sicherheit sensibler Patientendaten, wie der Daten des eMedikationsplans besonders wichtig. Aus diesem Grund ist für den Zugriff und das Beschreiben des eMedikationsplans ein elektronsicher Heilberufsausweis (HBA) für Ärzte und Apotheker notwendig, da mit diesem eine qualifizierte elektronische Signatur erzeugt werden kann. Der HBA muss dafür zusammen mit der eGK in das E-Health-Terminal in der Praxis oder Apotheke eingeführt werden. Erst dann erfolgt der Zugriff auf die Patientendaten im eMedikationsplan.

Haben Sie Interesse einen elektronischen Heilberufsausweis zu bestellen? SHC+CARE ist Ihnen dabei gerne behilflich!

Fazit: Der eMedikationsplan erhöht die Sicherheit bei der Arzneimitteltherapie. Denn er schafft effektiveres Medikamentenmanagement und eine verbesserte Kommunikation zwischen Ärzten und Apothekern. Patienten behalten ihr Selbstbestimmungsrecht für ihre Daten. Werden Sie für Heilberufler freigegeben, sind sie in der TI bestmöglich geschützt.